Pressemitteilung – Die Stadt präsentiert gerne Hochkultur, verweigert sich aber den Künstlern

 

Peter Heilrath, Bundestagskandidat für Bündnis 90 Die Grünen äußert sich zur Münchner Kulturpolitik:

„München ist sehr erfolgreich, wenn Hochkultur präsentiert wird. Ausstellungen und die Stadttheater müssen sich nicht scheuen an internationalen Standards gemessen zu werden. Dort aber wo Kultur entsteht, gibt München keinen Spielraum und zu wenig Unterstützung. Die Freiräume in denen die Künstler von morgen sich probieren sollten, in denen die Kultur von morgen entstehen soll, existieren nicht oder werden von Beamten regiert und ausgebremst.

Man kann das besonders gut im sogenannten Kreativquartier beobachten, wo man panisch darauf bedacht war und ist, den Künstlern nicht zu viel Gestaltungsmacht zu geben. Tatsächlich haben sich in der immer noch andauernden Zwischennutzungszeit mindestens drei Referate um die Deutungshoheit gestritten, das Planungsreferat, das Kulturreferat und das Kommunalreferat. Das Ergebnis der Angst, dass sich tatsächlich dauerhaft Kultur in dem Quartier festsetzen könnte, kann man gut besichtigen.  Ein Gelände das zwar diverse Künstler beherbergt, das aber nicht organisch wachsen konnte, weil im Ringen der drei Referate letztlich die kleinen Beamten des Kommunalreferats die Macht übernommen haben. Und deren Vermietungspraxis hatte dann schnell zumindest den Geruch der Spezlwirtschaft angenommen. Autoschrauber, Lagerhallenbetreiber und Schrotthändler haben im Kreativquartier bis heute die beste Lobby. Irgendwann wird dann wohl der Gewinner des damaligen Architekturwettbewerbs umgesetzt werden – mit verordneten Kulturnischen und vielen Jahren vergeudeter Zwischennutzungszeit, die rasante Impulse hätte setzen können.

Als die Regierungszeit der großen Koalition begann, kam in Sachen Kultur noch ein zusätzlicher Spieler auf das Feld: Das Kompetenzteam Kreativwirtschaft. Dieses Institut wirkt wie ein Nebenkulturreferat, das sich Bürgermeister Schmid unter der Ägide seines Wirtschaftsreferats angeschafft hatte, um seinen Ruf als Kulturbürgermeister zu fördern. Tatsächlich sind Funktion und Wirkung bis heute relativ unklar. Die meisten Kulturbranchen sehen eher irritiert auf das Schaffen des Kompetenzteams, das wiederholt Mechanismen kopiert, die in einzelnen Branchen sowieso schon existieren, wie Crowdfunding oder die gegenseitige Beratung. Übrig bleibt die Verwaltung eines Raumnotstands der Kulturschaffenden.

Zu beobachten ist nur, dass durch die Schaffung des Kompetenzteams die Durchsetzungskraft des Kulturreferats weiter gesunken ist. Dabei bräuchte München nichts dringender als ein Referat, das kräftige eigene Impulse in die Stadt aussendet, die kulturellen Ziele der Stadt sortiert und fokussiert, insbesondere aber für Freiräume kämpft in denen Kultur frei entstehen kann. Und die Stadtgesellschaft braucht Kultur auch um politische Denkprozesse anzuregen und zu fördern.

Wenn sich das nicht ändert, wird sich der Trend nur verstärken: die Künstler ziehen nach Berlin, und allenfalls ihre Werke dürfen dann irgendwann viel später nach München zurückkehren. Auch dem politischen Diskurs tut der Schwund kulturellen Schaffens nicht gut.“

 

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