Kreative Zwischennutzungen in München – alles beim Alten und Schlechten

Kreativwirtschaft aller Art ist in München immer auf der Suche nach Räumen. Von Künstlern bis zu Medienunternehmen geht der Bedarf und wird sicher nie endgültig gedeckt sein. Zwischennutzungen von Brachgeländen oder zum Abbruch geplante Gebäude bieten sich da an. Aber die Stadt tut sich schwer.

Am Beispiel des Kreativquartiers Nähe Leonrodplatz kann man die Ursachen und das Drama gut erkennen. Kreative aus verschiedenen Fachrichtungen haben sich da angesiedelt und könnten das Gelände eigentlich sinnvoll weiter entwickeln.

Aber drei städtische Referate ringen um die Deutungshoheit für die Zwischennutzung des Geländes und im Ergebnis hat sogar der Stadtrat und die rot-schwarze Koalition erstaunlich wenig zu sagen. Entscheidungen treffen deswegen dort nur kleine Beamte des Kommunalreferats, die sich selbst von der Referatsführung auf Abruf (Der Referent steht kurz vor der Pension) nicht in ihr undurchschaubares Tun hineinregieren lassen. Das Kulturreferat zeigt eifrig guten Willen, aber es fehlt ihm erkennbar der Biss um sich gegen das verharzte Kommunalreferat durchzusetzen. Und das Planungsreferat, das ganz offiziell federführend ist, plant allenfalls eine entfernte Zukunft.

Absurderweise können auch Stadtrat und die Bürgermeister nur begrenzt in die Verwaltung wirken. Bürgermeister Schmid hat sich zwar mit viel Geschick zum Kulturverantwortlichen der Stadt hochstilisiert, viel echten Einfluss auf Prozesse scheint er aber nicht zu haben.

Anfragen aus dem Stadtrat und auch Anweisungen aus dem Bürgermeisterbüro werden aus dem Kommunalreferat nebulös und zum Teil einfach unvollständig und auslassend beantwortet. Und indem grundsätzliche strukturelle Entscheidungen und Versuche die Gestaltung des Geländes zu koordinieren auf die lange Bank geschoben werden, bleiben auch die Machtstrukturen in der Verwaltung beim unbeweglich Alten.

Schade auch, dass sich die Kulturpresse der Stadt, allen voran das Münchner Feuilleton der SZ, derart kuschelig mit der Stadt eingerichtet hat, so dass investigativ-journalistische Vorstöße von dort nicht zu erwarten sind. Spannend wäre es allemal die verfilzten Strukturen zu durchleuchten – und hilfreich für die Arbeitsfähigkeit der Stadt allemal.

Was wäre in Sachen Kreativquartier zu tun? Letztlich würde nur ein radikaler Schnitt mit der bisherigen Handhabe helfen. Den Kreativen müsste das Gelände komplett zur Selbstverwaltung übergeben werden. Schlechter als die Verwaltung können sie es kaum machen. Und es wäre der einzig denkbare Weg mit dem auch die Politik endlich wieder echten und positiven Einfluss auf die Entwicklung des Geländes nehmen könnte, ohne sich im Dauerscharmützel mit uneinsichtigen Beamten zu verfangen.

Und ja, für solche Modelle eignet sich nicht nur das Kreativquartier. Mit offenen Augen und Gestaltungswillen lassen sich geeignete Gebäude auf Stadtgebiet noch mehr finden. Der Kulturstadt München täte es gut.

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