Keine Waffen an die Kurden

Ich finde es interessant und beunruhigend, wie nüchterne Überlegungen und sinnvolle Doktrinen ob der Macht der Bilder über den Haufen geworfen werden.

Es wurde in der Vergangenheit zu recht kritisiert, daß auch und gerade Krisenpolitik mit Waffenlieferungen niemals ein sinnvolles Instrument waren, weil sich politische Verhältnisse mit einem Augenzwinkern ändern können und schwer bis gar nicht vorher zu sagen ist, wessen Agenda die Waffen letztlich unterstützen würden. Das galt für amerikanische Flugabwehrsysteme an die Taliban, als sie noch die Sowjetunion bekämpften, genauso wie für viele andere Fälle in allen Kontinenten.

Das sei im vorliegenden Fall aber ganz anders und IS müsse kollektiv bekämpft werden.

Tatsächlich ist die Lage auf Seiten der IS Gegner viel unklarer als es den Anschein hat. Werden die Kurden ihren neuerlichen Schulterschluss zwischen Peschmerga und PKK aufrechterhalten, wenn IS zurück gedrängt ist? Und wer garantiert, daß die irakische Regierung ihre neue Liebe für die Sunniten behält, wenn IS keine Gefahr mehr darstellt? Immerhin sollte man nicht vergessen, daß IS auch deswegen militärisch so erfolgreich ist, weil große Teile der sunnitischen Kämpfer aus der irakischen Armee mit wehenden Fahnen zu IS gewechselt sind. Klare Verhältnisse, gerade in der Zukunft, sind etwas anderes.

Wenig glaubwürdig scheinen mir auch die Thesen, die da laut rufen, das alles sei zu verhindern gewesen, wenn man die gemäßigten Rebellen in Syrien früh genug militärisch unterstützt hätte. Wer an solch monokausale Prozesse (sinngemäss: „Wenn ich die jeweils anderen unterstütze, wird sich auch das Ergebnis des Konflikts in das Gegenteil verkehren“) glaubt, versteht die Dynamiken der Konflikte im Nahen Osten nicht.

Richtig bleibt, die verschiedenen Kräfte im Kampf gegen IS zu unterstützen. Aber das kann wirkungsvoll auch aus der Luft (mit Kampfflugzeugen und Drohnen) und zusätzlich mit ausgeweiteter humanitärer Hilfe geschehen. Waffentransfers wären ein gefährliches Vabanque Spiel.

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